Ima Breusing

Kanonen am Kanal, 1934

Gemälde von Ima Breusing, Öl auf Leinwand, 46 x 89 cm

Ima Breusing (1886–1968), Kanonen am Kanal, 1934

Gattung Gemälde
Material Öl auf Leinwand
Maße 46 x 89 cm
Signatur signiert und datiert unten rechts: Breusing 34

Restauriert mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung

Forschungsstand

Die Provenienz ist ungeklärt und wird weiter erforscht.

Ein Ankauf im Büro

„Gemälde von Ima Breusing tauchen selten auf. Das Gemälde wurde mir von Herrn […] ins Büro gebracht. Auch von der Komposition, vom Motiv sowie vom Format her fand ich das Bild so interessant, daß ich es dem Anbieter auf Anhieb für 1000.-DM. abgekauft habe.“

So erinnerte sich Eberhard Roters (1929–1994), Gründungsdirektor der Berlinischen Galerie, an den Ankauf von Ima Breusings „Kanonen am Kanal“ im Jahr 1984. Auch wenn der Erwerb spontan erfolgte, zeigt sich darin Roters’ Bemühen um die Anerkennung von Künstlerinnen, die in der Kunstgeschichtsschreibung unterbewertet waren – und sind.

Schwarz-Weiß-Fotografie: Porträtaufnahme eines Mannes

Eberhard Roters, Gründungsdirektor der Berlinischen Galerie, um 1990

Unbekannte*r Fotograf*in, Ohne Titel (Porträt Eberhard Roters), um 1990

© Unbekannt, Repro: Anja Elisabeth Witte
Karteikarte mit Werkangaben und Kommentar, Schreibmaschine auf Papier

Auf der Inventarkarte der Berlinischen Galerie zu Ima Breusings „Kanonen am Kanal“ kommentierte Eberhard Roters am 19. April 1989 den Ankauf des Gemäldes. Die Schwärzung des Vorbesitzers erfolgt aus datenschutzrechtlichen Gründen.

Inventarkarte der Berlinischen Galerie zum Gemälde "Kanonen am Kanal, 1934" mit Kommentar von Eberhard Roters

© Repro: Berlinische Galerie

Das betrifft auch Ima Breusing, die 1921 als Studentin an das Bauhaus in Weimar kam. 1924 zog sie nach Berlin, wo sie später Mitglied im Verein der Berliner Künstlerinnen wurde. Als stellvertretende Vorsitzende lehrte sie an der dort angegliederten Zeichen- und Malschule. Nach 1945 unterrichtete die Künstlerin an ihrer eigenen Malschule in Berlin-Zehlendorf und verdiente ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit Kinderporträts, die bei ihr in Auftrag gegeben wurden. Mit dem Ankauf des neusachlichen Gemäldes „Kanonen am Kanal“ würdigte Roters das Schaffen einer Künstlerin, die infolge der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nahezu vergessen war.

Der Künstler Herbert Ortel (1902–1972)

Auf der Rückseite des Gemäldes befindet sich ein Stempel mit der Signatur „Herbert Ortel Berlin“. Er verweist auf den Maler und damit auf eine weitere mögliche Provenienz. Von 1922 bis 1931 studierte Ortel an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg, 1938 stellte er in der Galerie Gurlitt aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg lehrte er an der Meisterschule für das Kunsthandwerk in Berlin (West). 

In der Sammlung der Berlinischen Galerie befinden sich mehrere Werke des Künstlers, deren Rückseiten untersucht wurden. Der Stempel von Breusings Bild ließ sich auch auf Ortels eigenen Arbeiten nachweisen. Breusings Werk befand sich demzufolge einst im Besitz von Herbert Ortel, möglicherweise erhielt er „Kanonen am Kanal“ direkt von der Künstlerin.

Rückseite einer Leinwand, Detailansicht eines Stempels

Auf der Rückseite finden sich nur wenige Hinweise, der Stempel „Herbert Ortel Berlin“ führte jedoch zu einem Künstler, der die „Kanonen am Kanal“ ehemals besaß.

Ein Sammler ostasiatischer Kunst?

Bei der Person, die Eberhard Roters 1984 das Gemälde anbot, handelt es sich vermutlich um einen Kunst- und Antiquitätensammler, dessen Leidenschaft der deutschen Keramik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie Ostasiatika gilt. 

Ein gleichzeitiges Interesse an Arbeiten des Bauhauses, an dem Ima Breusing ausgebildet wurde, und an japanischer Kunst ist nicht ungewöhnlich. Diese Ausdrucksformen harmonieren zeitlich und ästhetisch und beeinflussten sich gegenseitig.

Obwohl der Name des Verkäufers bekannt ist, konnte seine Identität – trotz versuchter Kontaktaufnahme – noch nicht bestätigt werden. In welcher Beziehung Herbert Ortel zu Ima Breusing und zu jenem anderen Vorbesitzer stand, ist daher bislang offen und muss weiter recherchiert werden.