Kunst in Berlin

1880 – 1980 Dauerausstellung

Berlin ist eine der bedeutendsten europäischen Kunstmetropolen. Das war nicht immer so.

Theo von Bruckhosen, Strand mit Badekarren, um 1909
Theo von Bruckhosen, Strand mit Badekarren, um 1909
© Urheberrechte am Werk erloschen

Ab dem 22. Oktober 2020 stellen wir auf mehr als 1000 Quadratmetern die Sammlung der Berlinischen Galerie in neuer Frische und Vielfalt vor. Unter den rund 250 ausgestellten Arbeiten sind selten oder noch nie gezeigte Werke aus Malerei, Grafik, Fotografie, Architektur und den Archiven zu entdecken.

Der Rundgang ist eine Zeitreise durch Berlin in 18 Kapiteln: Kaiserreich, Weimarer Republik, nationalsozialistische Diktatur, Neuanfang nach 1945, Kalter Krieg in der geteilten Stadt und die sich im Schatten der Mauer in Ost und West entwickelnden alternativen Gesellschafts- und Lebensentwürfe. In Ost- Berlin bildete sich ab den späten 1970er Jahren eine alternative Kulturszene aus. In West-Berlin zogen die aggressiven Werke der Neuen Wilden ab Ende der 1970er Jahre erneut international Aufmerksamkeit auf die geteilte Stadt.

Richard Ziegler, Knabe im Sandkasten, 1926
Richard Ziegler, Knabe im Sandkasten, 1926
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Neu in der Dauerausstellung

Lovis Corinth (1858 – 1925) schuf 1913/14 einen spektakulären elfteiligen Gemäldezyklus für den Berliner Großindustriellen Ludwig Katzenellenbogen und dessen erste Frau Estella. Sechs der Gemälde befinden sich in der Sammlung der Berlinischen Galerie. Die comic-haften monumentalen Wandbilder waren lange Jahre nicht zu sehen und setzen in der Treppenhalle einen eindrucksvollen Akzent. Sie entstanden für das Speisezimmer des heute zerstörten Gutshauses Freienhagen bei Oranienburg. Corinth ist eng mit dem Aufbruch Berlins in die Moderne verbunden. Er engagierte sich ab 1900 für die Berliner Secession und stellte regelmäßig mit ihr aus. Zu ihren Ausstellungen luden die Secessionist*innen auch internationale Künstler*innen ein und zeigten die ganze Bandbreite moderner Stile: Naturalismus, Symbolismus, Jugendstil, Impressionismus und Pointillismus, die auch in der Dauerausstellung vertreten sind.

Im März 1912 eröffnete Herwarth Walden (1878– 1941) in Berlin die Galerie „Der Sturm“. Sie wurde für anderthalb Jahrzehnte zu einem der wichtigsten Orte für moderne Kunst. Bereits der Name steht für die Energie und das Tempo, mit denen ihr Gründer die Avantgarden Europas nach Berlin holte. Waldens Interesse galt zunächst den noch wenig bekannten jungen Expressionist*innen, Futurist*innen und Kubist*innen. Mit sicherem Gespür für neue visuelle Formen zeigte er in den 1920er Jahren die ungarischen Konstruktivist*innen und den Russen Iwan Puni (1892–1956) oder bot dem Merz-Künstler Kurt Schwitters (1887–1948) ein Forum. Ebenso rastlos wie streitfreudig setzte er sich für „seine“ Künstler*innen ein, so dass „Der Sturm“ zum Inbegriff fortschrittlicher Kunstrichtungen wurde. Die Geschichte der Avantgarde-Galerie wird anhand zahlreicher Kunstwerke und Originaldokumente aus unseren Künstler*innen-Archiven erzählt.

Lange waren ihre Werke, die zu den kostbarsten unserer Sammlung zählen, auf Reisen. Jetzt ist die Anti-Kunst der Dadaist*innen wieder bei uns zu sehen. Die Dada-Bewegung entstand als politischkünstlerische Reaktion auf den Ersten Weltkrieg. Ihre Berliner Hauptvertreter*innen waren Hannah Höch (1889 – 1978), Raoul Hausmann (1886–1971), John Heartfield (1891–1968), George Grosz (1893 – 1959) und Johannes Baader (1875 – 1955). Mit ihren Arbeiten bezogen die Dadaist*innen radikal Stellung gegen den deutschen Nationalismus und Militarismus. Dada fand neue künstlerische Ausdrucksformen, mit denen die Künstler*innen aufklärerische Absichten verbanden. Provokation und Schock – in Bildern wie bei Bühnenauftritten – sollten die Gesellschaft zum Nachdenken über sich selbst anregen.

Eine lose Gruppierung von Künstler*innen entwickelte bereits Anfang der 1920er Jahre in Deutschland einen Stil, der auf die oft harte Lebensrealität reagierte. Er wurde schon bald als Neue Sachlichkeit bezeichnet. Die neusachlichen Maler*innen verband kein programmatisches Manifest. Sie orientierten sich vielmehr an der sichtbaren Welt. Damit distanzierten sie sich von der Formzertrümmerung des Expressionismus, aber auch von der antibürgerlichen Haltung des Dadaismus. Die ausgestellten Porträts der 1920er Jahre weisen ein breites Spektrum an künstlerischen Handschriften auf. Menschen und Gegenstände sind meist kühl, nüchtern und isoliert voneinander im Raum wiedergegeben.

Im Rahmen des Thomas-Friedrich-Stipendiums für Fotografieforschung und als Beitrag zum Europäischen Monat der Fotografie (EMOP) zeigen wir Arbeiten von Robert Petschow (1888–1945). In der Weimarer Republik war Petschow ein bekannter Ballonsportler. Bis 1935 unternahm er fast 400 Fahrten. Seine Luftaufnahmen erschienen nicht nur in Fachzeitschriften und Illustrierten, sondern wurden von ihm auch in Lichtbildvorträgen präsentiert. Als Fotograf begleitete er zudem die großen Luftschiffe jener Jahre. Ende der 1920er Jahre wurde seine Luftbildfotografie auch von der Avantgarde rezipiert. Die Bilder fanden Eingang in Ausstellungen und Publikationen, die heute mit dem Neuen Sehen verbunden werden.

Herbert Tobias‘ (1924 – 1982) Bilder aus Russland gehören zu den bemerkenswertesten Kriegsfotografien aus dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1943 wurde er als Soldat an die Ostfront in der Sowjetunion geschickt. Bereits mit 19 Jahren war Tobias ein talentierter Amateurfotograf. Wie viele Soldaten hat auch er im Krieg fotografiert, doch die metaphorische Dichte und Symbolhaftigkeit seiner Fotografien gehen über die üblichen Erinnerungsaufnahmen weit hinaus. In den einfühlsamen Bildern offenbart sich die Brutalität des Krieges, die Tobias‘ Haltung zur Welt nachhaltig prägte. Auch seine homosexuellen Neigungen werden hier noch vor seinem Coming-Out spürbar.

Ost-Berlin war seit den späten 1970er Jahren der wichtigste Ort für eine alternative Kulturszene in der DDR. Vor allem junge Künstler*innen distanzierten sich vom ideologisch geprägten Begriff des sozialistischen Realismus und entwickelten einen Gegenentwurf zu dessen vermeintlich wirklichkeitsnaher Darstellung des sozialistischen Alltags. Mit Nachdruck bestanden immer mehr junge Fotograf*innen auf ihre subjektive Wahrnehmung der Welt und forderten einen kompromisslosen Blick auf die Realität in der DDR. In den 1980er Jahren wurden in Galerien, Klub- und Kulturhäusern Ausstellungen organisiert, die zwar klein, aber für die Fotografieszene der DDR von großer Bedeutung waren. Wir zeigen Werke von Ulrich Wüst (*1949) und Maria Sewcz (*1960).

  • Helden, Ritter, Ungeheuer.
    Lovis Corinths Katzenellenbogen-Zyklus
  • Konservativ und modern. Kunst um 1900
  • Aufbruch in die Moderne. Berliner Kunst um 1900
  • Robert Petschow und das Neue Sehen
  • Der Sturm. Schauplatz der Avantgarde 1912 – 1929
  • Aufruhr und Neuanfang. Avantgarden in Berlin 1910 – 1933
  • Dada in Berlin. Radikale Kunst ab 1918
  • Drehscheibe zwischen Ost und West. Konstruktivismus und Neues Sehen in den 1920er Jahren
  • Gesichter der Großstadt. Neue Sachlichkeit der 1920er Jahre
  • Metropole Berlin. Neue Sachlichkeit der 1920er Jahre
  • Berlin im Nationalsozialismus. Kunst 1933 – 1945
  • Isoliert. Künstler*innen im Nationalsozialismus 1933 – 1945
  • Stadt in Trümmern. Berlin nach 1945
  • Abstraktion als Sprache der Freiheit. Kunst um 1950
  • Individuell und funktional. Einfamilienhäuser in Berlin ab 1950
  • Im Schatten der Mauer. Malerei der 1960er bis 1980er Jahre
  • Die junge Generation. Fotografie in der DDR der 1980er Jahre

Auswahl vertretener
Künstler*innen

Otto
Dix

1891 - 1969

Naum
Gabo

1890 - 1977

Jacoba
van Heemskerck

1876 - 1923

Werner
Heldt

1904 - 1954

Hannah
Höch

1889 - 1978

Max
Liebermann

1847 - 1935

El
Lissitzky

1890 - 1941

Jeanne
Mammen

1890 - 1976

Ludwig
Meidner

1884 - 1966

Felix
Nussbaum

1904 - 1944

Georggij
Petrussow

1903 - 1971

Anton
von Werner

1843 - 1915

Heinrich
Zille

1858 - 1929

Hans
Uhlmann

1900 - 1975

Sasha
Stone

1895 - 1940

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Berlinische Galerie, Foto: © Daniel Müller

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Fred Thieler, Erzählung für W. Turner, 1962
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Christian Schad, Porträt des Schriftstellers Ludwig Bäumer, 1927
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Berlinische Galerie, Foto: © Daniel Müller
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