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Josef Kaiser. Bauen für die DDR (28.8.26 – 1.2.27)

Biografie

Josef Kaiser
1.5.1910 – 5.11.1991

1910
Josef Wilhelm Anton Kaiser wird am 1. Mai in Cilli (bis 1918 Steiermark, Österreich-Ungarn, heute Celje, Slowenien) als ältestes von fünf Kindern geboren. Seine Eltern, der Architekt und Stadtbaumeister Alois Kaiser und Gabriela Kaiser, geb. Jellenz, betreiben eine Ziegelei in Falkenau (heute Sokolov, Tschechien).

1916
Übersiedelung der Familie nach Kriegern (heute Kryry, Tschechien), ab 1921 nach Karlsbad (heute Karlovy Vary, ebd.), wo er bis 1929 das Realgymnasium besucht. Neben einer humanistischen Ausbildung erhält er Musik- und Zeichenunterricht.

1929–1935
Architekturstudium an der Deutschen Technischen Hochschule in Prag.

1935–1937
1936 Mitgliedschaft in der Reichskammer der bildenden Künste. Berufliche Anfänge in Weimar im Architekturbüro Ernst Flemmings, einem Vertreter der konservativen Moderne. Die Mitarbeit am Wettbewerbsentwurf für das neue Kreishaus der NSDAP in Weimar ist sein erstes Projekt.

1937
Beitritt in die Sudetendeutschen Partei. Infolge der Annexion des Sudetengebiets 1938 erhält Kaiser die deutsche Staatsangehörigkeit.

1937–1938
Angestellt bei der Thüringischen Gemeinnützigen Heimstätte AG in Weimar unter Leitung von Hermann Giesler. Dort entwickelt er Bebauungspläne für Siedlungsprojekte für die Rüstungsindustrie und Typenentwürfe für die schnelle und kostengünstige Bereitstellung von Wohnraum.

1938
Ab 1. April für drei Monate im Berliner Büro von Otto Kohtz, eines Architekten der Filmindustrie und Wegbereiter des Hochhausbaus, angestellt. Ab 1. September Honorararchitekt im Zentralen Architekturbüro der Deutschen Arbeitsfront (DAF) in Berlin, einer zentralen NS-Planungsbehörde mit Schwerpunkt in Typisierung und Normierung unter Julius Schulte-Frohlinde.

1939
Am 11. Januar 1939 Beantragung der Aufnahme in die NSDAP, die rückwirkend zum 1. November 1938 erfolgt. Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und Umstellung des Büros Schulte-Frohlindes auf militärische Aufgaben. Aufbau und Leitung eines Zweigbüros des Zentralen Architekturbüros der DAF in Peenemünde durch Kaiser ab April 1940. Dort u.a. verantwortlich für Neubau „Haus der Kameradschaft“.

1941
Rückkehr nach Berlin und Wechsel zur Deutschen Akademie für Wohnungswesen (DAW). Dort ist er bis 1945 beim Reichskommissar für den Sozialen Wohnungsbau angestellt und leitet die Gruppe „Grundriss-Planung und -Typung“.

1943
Im Mai lernt er die Innenarchitektin Marianne Welzel (1921–1979) kennen. Heirat am 17. Juli 1943. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor. Dienstverpflichtende Einberufung und Übernahme der Leitung des Entwurfs-und Konstruktionsbüros der Oberschlesischen Hydrier- werke in Blechhammer (heute Blachownia Śląska, Polen). Ab Dezember 1944 Soldat in der
Marine-Artillerie, die letzten Kriegsmonate krankheitsbedingt im Marinelazarett in Kiel-Hassee.

1946
Berufliche Neuorientierung nach Kriegsende. Studium des Opern- und Operettengesangs an der Staatlichen Akademie für Musik und Theater in Dresden, vorangegangen war ein mehrjähriger Gesangsunterricht neben Architektentätigkeit. Hauptwohnsitz ist bis 1949 Dresden.

1948
Engagement als Erster Tenor am Theater am Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg. Debüt mit der Operette „Konfetti“ unter dem Pseudonym Josef Sonngartner. Entnazifizierungsverfahren mit Berufsverbot durch US-Militärregierung in Berlin. Rehabilitierung nach 3 Monaten. Bühnenverpflichtung als Tenor am Stadttheater Frankfurt (Oder), wohin er mit seiner Familie übersiedelt.

1950–1955
Rückkehr zur Architektur und Anstellung bei Hanns Hopp, ein Befürworter der Erneuerung der Klassischen Moderne, am Institut für Städtebau und Hochbauam Ministerium für Aufbau in Berlin. Wechsel an die neu gegründete Deutsche Bauakademie in Hopps Meisterwerkstatt II. Beginn der Planung des Kulturhauses Maxhütte in Unterwellenborn.

1952–1954
Übernahme des Postens als Chefarchitekt beim Generalprojektanten der als „Erste Sozialistische Stadt“ propagierten Wohnstadt Fürstenberg. Unter seiner Leitung entstehen teils später realisierte Entwürfe, insbesondere für den Wohnkomplex II. Im März 1953 wird Kaiser wegen des als zu langsam bewerteten Baufortschritts auf Veranlassung Walter Ulbrichts entlassen. Zwischen 1952 und 1954 zusätzlich Gastlehrauftrag an der Hochschule für Architektur in Weimar am Lehrstuhl für Wohn- und Gesellschaftsbau von Otto Englberger. Umzug der Familie Kaiser in den Berliner Vorort Blankenfelde.

1954
Bauwettbewerb für die Beethovenhalle in Bonn: Kaisers Entwurf unter 109 Einreichungen in der engeren Wahl. Ab 1958 Wohnhausaufträge in Essen, Mannheim und West-Berlin. In den 1950er-Jahren bemüht er sich um freiberufliche Aufträge, auch jenseits der DDR-Grenzen.

1955
Am 1. Oktober Wechsel in das Büro des Chefarchitekten von Groß-Berlin, Hermann Henselmann. Entwicklung erster Typenvarianten für den mehrgeschossigen Wohnungsbau. Zusammen mit Erhardt Gißke entwickelt Kaiser auf dieser Basis neue Grundrisslösungen. Die Großblockserie Q 3 entsteht. Das Kollektiv Kaiser entsteht und besteht bis Mitte der 1960er Jahre.

1956
Auszeichnung als ‚Aktivist des Fünfjahrplans‘.

1958
Ab 1. Juni Wechsel mit Kollektiv in das Entwurfsbüro Hochbau I Berlin, später VEB Berlin-Projekt. Dort zehn Jahre lang Chefarchitekt. Beginn der Realisierung des II. Bauabschnitts der Karl-Marx-Allee (ehem. Stalinallee), die ihmspäter internationale Anerkennung einbringt.

1962
Auszeichnung mit dem Nationalpreis II. Klasse für Kunst und Literatur der DDR.

1963
Reise zum Kongress der Union Internationale des Architectes nach Havanna. In der begleitenden Architekturausstellung zeigt die DDR unter anderem seine Entwürfe für das Kino Kosmos und den II. Bauabschnitt der Karl-Marx-Allee.

1966
Verstärkter Fokus auf architekturtheoretischen Fragen und Visionen zur Stadt der Zukunft. Seine Entwürfe, darunter das ab 1966 entwickelte „Großhügelhaus“, spiegeln Ideen eines neuen kollektiven Wohn- und Lebensmodells wider.

1968
Ende der Zeit als Chefarchitekt bei VEB Berlin-Projekt. Umzug mit der Familie nach Dresden.

1969
Professur am Weiterbildungsinstitut für Städtebau und Architektur in Naumburg, einer Außenstelle der HAB Weimar. Niederlegung dieser Stelle aus gesundheitlichen Gründen im September 1971.

1973–1984
Beratertätigkeit (Konsulent) für Erhardt Gißke, dem Direktor der Aufbauleitung für Sonderbauvorhaben Berlin. Mitwirken an Berliner Großprojekten wie dem Palast der Republik, dem Chirurgischen Zentrum der Charité, dem Internationalen Handelszentrum, dem Friedrichstadt-Palast. Reisen u.a. nach Japan und in den Irak. Paris-Reise im Kontext des Neubauvorhabens des Berliner Friedrichstadt-Palasts mit Ostberliner Delegation im Mai 1980.

1980
Heirat mit Hildegard Vogler (1918–2015).

1981
Beginn der Arbeit an den unvollendet gebliebenen Memoiren „Antagon“, einer Familienchronik für Angehörige und Nachkommen.

1991
Josef Kaiser stirbt am 5. November bei einem Autounfall nahe Altenberg (Erzgebirge).