1910
Josef Wilhelm Anton Kaiser wird am 1. Mai in Cilli (bis 1918 Steiermark, Österreich-Ungarn, heute Celje, Slowenien) als ältestes von fünf Kindern geboren. Seine Eltern, der Architekt und Stadtbaumeister Alois Kaiser und Gabriela Kaiser, geb. Jellenz, betreiben eine Ziegelei in Falkenau (heute Sokolov, Tschechien).
1916
Übersiedelung der Familie nach Kriegern (heute Kryry, Tschechien), ab 1921 nach Karlsbad (heute Karlovy Vary, ebd.), wo er bis 1929 das Realgymnasium besucht. Neben einer humanistischen Ausbildung erhält er Musik- und Zeichenunterricht.
1929–1935
Architekturstudium an der Deutschen Technischen Hochschule in Prag.
1935–1937
1936 Mitgliedschaft in der Reichskammer der bildenden Künste. Berufliche Anfänge in Weimar im Architekturbüro Ernst Flemmings, einem Vertreter der konservativen Moderne. Die Mitarbeit am Wettbewerbsentwurf für das neue Kreishaus der NSDAP in Weimar ist sein erstes Projekt.
1937
Beitritt in die Sudetendeutschen Partei. Infolge der Annexion des Sudetengebiets 1938 erhält Kaiser die deutsche Staatsangehörigkeit.
1937–1938
Angestellt bei der Thüringischen Gemeinnützigen Heimstätte AG in Weimar unter Leitung von Hermann Giesler. Dort entwickelt er Bebauungspläne für Siedlungsprojekte für die Rüstungsindustrie und Typenentwürfe für die schnelle und kostengünstige Bereitstellung von Wohnraum.
1938
Ab 1. April für drei Monate im Berliner Büro von Otto Kohtz, eines Architekten der Filmindustrie und Wegbereiter des Hochhausbaus, angestellt. Ab 1. September Honorararchitekt im Zentralen Architekturbüro der Deutschen Arbeitsfront (DAF) in Berlin, einer zentralen NS-Planungsbehörde mit Schwerpunkt in Typisierung und Normierung unter Julius Schulte-Frohlinde.
1939
Am 11. Januar 1939 Beantragung der Aufnahme in die NSDAP, die rückwirkend zum 1. November 1938 erfolgt. Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und Umstellung des Büros Schulte-Frohlindes auf militärische Aufgaben. Aufbau und Leitung eines Zweigbüros des Zentralen Architekturbüros der DAF in Peenemünde durch Kaiser ab April 1940. Dort u.a. verantwortlich für Neubau „Haus der Kameradschaft“.
1941
Rückkehr nach Berlin und Wechsel zur Deutschen Akademie für Wohnungswesen (DAW). Dort ist er bis 1945 beim Reichskommissar für den Sozialen Wohnungsbau angestellt und leitet die Gruppe „Grundriss-Planung und -Typung“.
1943
Im Mai lernt er die Innenarchitektin Marianne Welzel (1921–1979) kennen. Heirat am 17. Juli 1943. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor. Dienstverpflichtende Einberufung und Übernahme der Leitung des Entwurfs-und Konstruktionsbüros der Oberschlesischen Hydrier- werke in Blechhammer (heute Blachownia Śląska, Polen). Ab Dezember 1944 Soldat in der
Marine-Artillerie, die letzten Kriegsmonate krankheitsbedingt im Marinelazarett in Kiel-Hassee.
1946
Berufliche Neuorientierung nach Kriegsende. Studium des Opern- und Operettengesangs an der Staatlichen Akademie für Musik und Theater in Dresden, vorangegangen war ein mehrjähriger Gesangsunterricht neben Architektentätigkeit. Hauptwohnsitz ist bis 1949 Dresden.
1948
Engagement als Erster Tenor am Theater am Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg. Debüt mit der Operette „Konfetti“ unter dem Pseudonym Josef Sonngartner. Entnazifizierungsverfahren mit Berufsverbot durch US-Militärregierung in Berlin. Rehabilitierung nach 3 Monaten. Bühnenverpflichtung als Tenor am Stadttheater Frankfurt (Oder), wohin er mit seiner Familie übersiedelt.
1950–1955
Rückkehr zur Architektur und Anstellung bei Hanns Hopp, ein Befürworter der Erneuerung der Klassischen Moderne, am Institut für Städtebau und Hochbauam Ministerium für Aufbau in Berlin. Wechsel an die neu gegründete Deutsche Bauakademie in Hopps Meisterwerkstatt II. Beginn der Planung des Kulturhauses Maxhütte in Unterwellenborn.